Die stärkste Oppositionspartei im Bundestag heißt jetzt afdp.
Der Haushaltsausschuss hat sich am Mittwoch, 31. Januar 2018, unter Vorsitz von Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble konstituiert. Der Abgeordnete Peter Boehringer (AfD)
wurde zum Ausschussvorsitzenden des 44 Mitglieder zählenden Gremiums
gewählt. Für Boeringer stimmten in offener Abstimmung die Vertreter der
AfD und FDP. Die Vertreter der Fraktion Die Linke stimmten gegen
Boehringer. CDU/CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen enthielten sich.
Einer einvernehmlichen Bestimmung des Vorsitzenden war zuvor
widersprochen worden. In der vergangenen Wahlperiode hatte die
Abgeordnete der Linken Dr. Gesine Lötzsch den Ausschuss geleitet. Zur
stellvertretenden Vorsitzenden wurde am Mittwoch, 21. Februar, Bettina Hagedorn (SPD) benannt.
Montag, 5. März 2018
Freitag, 9. Februar 2018
Wahnsinn im Alltag 8
oder: Eat your
hashtags (Haschee tagsüber)
eatclean (Hygieneprodukte essen?), eatsmart (diese kleinen
Autos? Aber bitte nur mit Elektromotor), eatpegan (Tippfehler für: eat pagans?
Aufruf zum Kannibalismus?), eathealthyfood (Jute statt Plastik?), eat smartfood (Tippfehler für: eat your
smartphone?), foodporn (endlich mal was Vernünftiges).
(Ich danke meiner Schwester Ingrid für die Anregungen. Bon
appétit!)
Donnerstag, 1. Februar 2018
Donnerstag, 4. Januar 2018
Wahnsinn im Alltag 6
Serienwunder, Fräuleinwunder, Wunder von Bern, Wirtschaftswunder, deutsches Wunder, Wunderwundewunderwunder
Montag, 18. Dezember 2017
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Laut Süddeutscher Zeitung vom 14.12. 2017 klafften "kurz vor dem Ersten Weltkrieg [...] in Deutschland große
Unterschiede. Die Jahrzehnte der Industrialisierung hatten Arbeitern
zwar höhere Löhne beschert, Gutverdiener aber reich gemacht. 1913 entfielen auf die obersten zehn Prozent Haushalte gleich 40
Prozent aller Einkommen, so eine neue Studie. Die Pointe: Weil sich das
Land nach Dekaden der Annäherung zuletzt deutlich gespalten hat,
vereinnahmen die Bestverdiener inzwischen wieder einen genauso hohen
Anteil vom Kuchen wie 1913. Anders gesagt: Deutschland ist heute so ungleich wie vor 100 Jahren."
Laut Michael Kretschmer, CDU-Ministerpräsident von Sachsen, in der Tagesschau vom 17.12.2017, sei die SPD rückwärtsgewandt.
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Laut Michael Kretschmer, CDU-Ministerpräsident von Sachsen, in der Tagesschau vom 17.12.2017, sei die SPD rückwärtsgewandt.
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Freitag, 1. Dezember 2017
Wahnsinn im Alltag 5
In Kreuzberg gibt es eine vegetarische Metzgerei. Man arbeitet an Kühen aus Tofu.
Freitag, 10. November 2017
Wahnsinn im Alltag, 4
Born to be lazy: Ich frage mich schon, wo der tiefere Sinn eines solchen Toilettenpapieraufdrucks liegt. Und was die Herzchen da zu suchen haben.
Samstag, 30. September 2017
Wahnsinn im Alltag, 3
Das Summen einer Fliege in meiner Küche. Ich schließe die Augen und bin mir für einen Moment sicher: Der Sommer kommt erst noch.
Donnerstag, 21. September 2017
Wahnsinn im Alltag, 2
"Berlins beliebteste Krankenhäuser"
Montag, 18. September 2017
Wahnsinn im Alltag:
vegane Kondome.
Samstag, 16. September 2017
Gefühltes Wissen
Aus dem Wahlspot der CSU, gemeint ist "die Bevölkerung": "Die gehen nicht jeden Tag mit einem Gesetzbuch ins Bett, aber sie wissen und haben ein Gefühl, ob es im Land richtig läuft oder nicht."
Na, was denn nun, sie wissen's, sie fühlen's oder wissenfühlen's? Und zum Glück gehen die Leute nicht jeden Tag mit Gesetzbüchern ins Bett, ich meine, braucht Deutschland nicht Kinder?
Na, was denn nun, sie wissen's, sie fühlen's oder wissenfühlen's? Und zum Glück gehen die Leute nicht jeden Tag mit Gesetzbüchern ins Bett, ich meine, braucht Deutschland nicht Kinder?
Mittwoch, 3. Mai 2017
Das Leiden an Thomas de Maizière
Um es vorweg zu nehmen: Ich bemühe mich. Seit neustem
begrüße ich meine Freund*innen nur noch mit Handschlag. Auch meine französische
Mutter und sogar Eva, meine Angetraute, bemühen sich. Handschläge. Überall nur
noch Handschläge. Und meinen Namen sage ich auch jedes Mal. Melde gehorsamst: Kennel.
Es ist doch interessant, dass ein Innenminster, der mit Konzepten
wie „demokratischer Rechtsstaat“ und „Verfassungspatriotismus“ nur so um sich wirft, sich öffentlich zu dem äußert, was uns angeblich "im Innersten zusammenhält". Ja, wenn man das so genau wüsste, hätte es Faust gar nicht gegeben! Und auch nicht Freud (bzw. seine Arbeiten). Aber ich werde polemisch. Das ganze Leben besteht zweifelsohne aus ungeschriebenen
Regeln. Aber die sind nun mal nicht Sache des Innenministers. Seine Sache sind
die Gesetze. Das Vermummungsverbot auf Demonstrationen zum Beispiel, das er
mitten in einen Satz über die ungeschriebenen Regeln einflicht, das ist seine Sache. Aber darüber scheint er auch nicht so gut informiert, denn das richtete sich
originär gegen linke Demonstranten, da war doch mal was, erinnern Sie
sich, Herr Minister? Mit einem moralischen „Gesicht zeigen“ hatte das nichts,
aber auch gar nichts zu tun! Herr Minister, etwas mehr logische Stringenz,
bitte!
Sehen wir doch mal, was sich da noch so ansammelt im
Sammelsurium der privaten Meinung unseres Innenministers: Allgemeinbildung als
Wert. Ah. Das ist wirklich etwas ausschließlich Deutsches. Der Rest der Welt
hat es nicht so mit der Allgemeinbildung. Am deutschen Wesen … genesen, eben. Und
ich lache mich tot, angesichts der Bildungsmisere in Deutschland, die Opfer der
schwarzen Null eines anderen Ministers ist. Was zählt, in Deutschland, Herr de
Maizière, ist die schwarze Null! Eine Höchstleistung! Auf die man stolz sein
soll, sonst gehört man nicht dazu.
Dafür, dass Herr de Maizière sich „zu den tiefsten Tiefen
unserer Geschichte“ bekennt (etwas weniger Kitsch, bitte, Herr Minister, oder
gehört Kitsch zur deutschen Leitkultur?), benennt er die tiefsten Tiefen aber
nicht besonders präzise. Könnte es sein, dass er Nationalsozialismus und
Massenmord doch ein bisschen relativieren möchte? Nicht so klar sagen möchte,
dass er eigentlich NS und DDR irgendwie doch ähnlich schlimm findet?
Weiter im Programm, und da „genest“ es wieder mächtig: „Kaum
ein Land ist so geprägt von Kultur und Philosophie wie Deutschland.“ Ist
irgendein Land bitte sehr nicht von seiner
Kultur und Philosophie geprägt? Warum ausgerechnet Deutschland? Überheblichkeit
als deutsche Leitkultur, Herr Minister? „Jeder Landkreis ist stolz auf seine
Musikschule.“ Ja, wenn sie nicht zusammengespart wurde und er noch eine hat.
„Unser Staat ist weltanschaulich neutral, aber den Kirchen
und Religionsgemeinschaften freundlich zugewandt.“ Unser Staat sammelt für
Kirchen Steuern ein. Ich wüsste nicht, dass das säkular wäre. Es gibt keine klare
Trennung von Kirche und Staat in Deutschland. Und es gibt Atheisten, ein halbes
Land voller Atheisten, die dieses Land ebenfalls prägen, nur zur Erinnerung,
Herr Minister.
„Zum Mehrheitsprinzip gehört der Minderheitenschutz. Wir
stören uns daran, dass da einiges ins Rutschen geraten ist. Für uns sind
Respekt und Toleranz wichtig …“ Genau. Wie viele Anschläge auf
Flüchtlingsunterkünfte hat es in den letzten Jahren gegeben? Sie zeugen von
einer ungeheuren Toleranz im Lande. Um die geht es Herr De Maizière aber nicht,
sondern um Ehrenmorde. Zur Erinnerung: Die Morde der NSU wurden u.a. als solche
abgetan.
„Ja, wir hatten Probleme mit unserem Patriotismus. Mal wurde
er zum Nationalismus, mal trauten sich viele nicht, sich zu Deutschland zu
bekennen. All das ist vorbei …“ Genau. Da hat Herr de Maizière bestimmt ein (deutsches,
reines) Bierchen mit Herrn Höcke getrunken. Es ist vorbei, vorbei … werden sie dann
geschunkelt haben (Das Schunkeln, Herr de Maizière, Sie haben das Schunkeln in der Leitkultur vergessen!).
„Wir sind vielleicht das europäischste Land in Europa - kein
Land hat mehr Nachbarn als Deutschland.“ Wieder einmal eine unwiderlegbare Kausalkette. Es hört nicht auf mit den
Superlativen. Deutschland ist (vielleicht) eben doch das tollste, größte, beste Land.
„Wir haben ein gemeinsames kollektives Gedächtnis für Orte und Erinnerungen ... Landsmannschaftliche Mentalitäten, die am Klang der Sprache
jeder erkennt, gehören zu uns und prägen unser Land.“ Und in die kollektive
Erinnerung purzelt bei de Maizière auch alles, was bei drei nicht aufm Baum
ist, um es mal salopp auszudrücken: Brandenburger Tor, 9. November, Karneval. Landsmannschaftlich?
Aus welcher Zeit stammt eigentlich Herr de Maizière? Ach ja, und seit wann
erkennt man Mentalitäten am Klang der Sprache? Hat denn niemand dieses
Pamphlet auf Dummheit gegengelesen?
Meiner Meinung nach hätte Herr de Maizière zurücktreten
sollen. Aber das habe ich schon mehrfach gedacht. Stichworte: Euro
Hawk, Sturmgewehr G36, BND-Ausspähung.Herr de Maizière ist aber der Innenminister, der nie
zurücktritt. Auch wenn er es nach ungeschriebenen, ethischen Gesetzen längst
hätte müssen. Stattdessen missbraucht er seine Kompetenzen, veröffentlicht
seine private Meinung auf der Seite des Innenministeriums (das ist Missbrauch öffentlicher Gelder) und verlangt von
anderen genau das, was er damit ad absurdum führt: Wenn sich Herr de Maizière um
die ungeschriebenen Gesetze kümmern will, sollte er den Beruf wechseln.
Vielleicht Pfarrer werden?
Dienstag, 25. April 2017
ARD, j'accuse
Gestern Abend, Ankündigung der Tagesthementhemen: "Analyse der Kriminalstatistik: Die Straftaten der Einwanderer."
Liebe ARD, das ist Bildzeitungsniveau. Das ist Brandstiftung. Dazu zwingt Sie niemand. Dafür zahle ich definitiv keine GEZ-Gebühren.
Erboste Grüße
Liebe ARD, das ist Bildzeitungsniveau. Das ist Brandstiftung. Dazu zwingt Sie niemand. Dafür zahle ich definitiv keine GEZ-Gebühren.
Erboste Grüße
Mittwoch, 21. Dezember 2016
Sicherheitsrisiken
Folgt man der Logik der CSU, der AfD und ähnlichen Zusammenschlüssen müssten alle Schulen geschlossen werden. Kein Schüler dürfte/müsste noch in die Schule. Viel zu gefährlich! Es könnte ja ein Amokläufer unter den Schülern sein. Und was ist mit Männern? Ich meine Männern im Allgemeinen? Alle weg von der Straße, viel zu gefährlich. Und Soldaten? Sind Mörder. Eigentlich sind wir alle tickende Zeitbomben. Ich schlage also vor: Alle raus aus Deutschland! Alles andere gefährdet unsere Sicherheit.
Freitag, 11. November 2016
Der real existierende Kapitalismus. Versuch, ein paar Gedanken zu ordnen in einer verwirrenden Zeit
Die Eliten sind also Schuld an der Misere.
So einfach ist das. Wer aber soll das genau sein? Die politischen
Entscheidungsträger? Journalisten? Linke Akademiker (nie die rechten)? Ist eine
arbeitslose, taxifahrende, linkspolitisch aktive, bloggende Akademikerin die
Elite? Oder eher die Erbmillionärin? Was wäre mit einer Verlegerin, die aus
einem „bildungsfernen“ Milieu stammt? Es gibt keine monolithische Gruppe der
„Eliten“, dem ein „entrechtetes Volk“ gegenüberstünde. Genau, denn wer „Eliten“
sagt, sagt auch „Volk“. Und bedient sich also munter im rechtspopulistischen
Setzbaukasten.
Geht es bei diesem Elitendiskurs vielleicht darum,
nicht aussprechen zu müssen, was offensichtlich ist: Dass der Erfolg rechter
und rechtspopulistischer Ideen eng mit dem aktuellen, neoliberalen
Wirtschaftssystem zu tun hat? Mit Gesellschaften, in denen Marktlogik längst politische
Visionen ersetzt hat, und noch jeder gesellschaftliche Bereich, bald schon jede
Geste auf Rentabilität (für wenige) reduziert wird? In der jeglicher Versuch,
sich dagegen zu wehren als unrealistisch und spinnert abgetan wird?
Ich will nicht sagen, dass es einfache Antworten
gibt. „Der“ Neoliberalismus ist genau so wenig allein „Schuld“ wie angeblich
monolithische „Eliten“. Aber man kann nicht so tun, als hätte das eine mit dem
anderen nichts oder nur zufällig zu tun. Sicher ist jedenfalls, dass Kategorien wie „Ökonomie“ und „Wirtschaftssystem“ auffällig abwesend sind, wenn
darum geht, Erklärungen für aktuelle Entwicklungen zu suchen.
Das liegt zum einen natürlich daran, dass das
neoliberale Credo im Großen und Ganzen nach wie vor unangetastet bleibt bzw.
mit Händen, Füßen und viel Lobbyismus verteidigt wird.
Das liegt aber vielleicht auch daran, dass das
Herzstück des linken Diskurses ab den 90er Jahren von den Linken (zu denen ich
mich zähle) selbst fallen gelassen wurde: Zum einen war es schwierig geworden, in
einer Welt über Ökonomie zu sprechen, in der gerade der Kapitalismus gesiegt
hatte (und sich linke Systeme nicht gerade durch menschenrechtliche
Höchstleistungen ausgezeichnet hatten); zum einen gab es neue Kämpfe zu kämpfen:
um die rechtliche Gleichstellung unterschiedlichster Gruppen, die in linken
Diskursen bisher „Nebenwidersprüche“ gewesen waren oder gar nicht erst
auftauchten: Frauen, Schwarze, Andersbefähigte, Lesben, Schwule, Transsexuelle
usw. usw. (all diese Begriffe verstehe ich
als politische Kategorien, als Kampfbegriffe). Und das war und ist gut so, es gibt immer noch viel zu tun und schon wieder viel zu verteidigen!
Nur dass also die ökonomische Definitionsmacht ab spätestens
Ende der 90er solchen Organisationen wie der INSM oblag (hier meine Meinung dazu; das soll schon 11 Jahre her sein?), die mit ihren selbsternannten Experten aufgebrochen
waren, die Gesellschaft in ihrem Sinne umzudeuten und das neoliberale Mantra
hoch und runter beteten, bis (fast) alle es geschluckt hatten: Privatisierung,
Marktliberalisierung (außer, wenn es um Verluste geht), Abbau des
Sozialstaates, Alternativlosigkeit etc. etc. etc. Als ob es nicht immer Alternativen gäbe!
Linke Kritik daran hat es immer gegeben, ist aber
zunehmend untergegangen in der Vervielfältigung der Stimmen oder angesichts
einer gefühlt komplexer gewordenen Post-Kalter-Krieg-Welt, deren neue
geographische Linien, technologische Entwicklungen, politische Verwerfungen
sich so rasend schnell entwickeln, dass man mit dem Denken kaum hinterher kommt
… Oder weil man im Konsumentenalltag selbst davon profitierte? Weil
Kapitalismuskritik schnell ins verschwörungstheoretische, antisemitische
Fahrwasser gerät? Weil die Kämpfe für Gleichstellung und gegen
Diskriminierung so erfolgreich waren und rechtliche und gesellschaftliche
Umwälzungen zur Folge hatte, von denen man nicht zu träumen gewagt hatte? Wahrscheinlich (mindestens) all das zusammen.
Inzwischen kommt es mir so vor, als seien
Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsgesetze eine Art Zugeständnis gewesen
(eines, das nicht viel kostet, sondern im Gegenteil neue Konsumentengruppen
bringt), in dessen Windschatten der Abbau des (kostenintensiven) Sozialstaats betrieben und Steuer- und Wirtschaftsgesetze so verändert oder erlassen wurden, dass die
Schere zwischen Arm und Reich zumindest in Deutschland inzwischen so weit auseinanderdriftet
ist wie nie zuvor nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine egalitäre Gesellschaft muss
aber auch ökonomisch egalitär sein, sonst ist sie nicht egalitär. Auch das
Recht auf Wohnen und Arbeit und ärztliche Versorgung muss in der heutigen Welt
ein Menschenrecht sein (und ist es nur für wenige in einem kleinen Teil der Welt).
Hier kommt das Gefühl des Abgehängtseins ins
Spiel, das also durchaus den Fakten entspricht. Auf dem das (postfaktische)
Gefühl aufbaut, die Gesetzgebungen der letzten Jahre hätten allein „Minderheiten“
gegolten. Die demnach als Profiteure des Systems angesehen werden. Dass da ein
bisschen etwas nachzuholen ist, dass 20 Jahre dieser Entwicklung hier mehreren 1000
Jahren gegenüberstehen, in denen es anders war – geschenkt (abgesehen davon,
dass Rassismus und Hass und Beleidigtsein noch ganz andere historische,
psychologische usw. Wurzeln hat).
Trotzdem: Es gibt hier einen Widerspruch, der nicht so
ohne weiteres aufzulösen ist.
Entsolidarisierung (Hartz IV-Bashing!), „Bildungsmisere“,
Kürzung der Sozialausgaben (und somit der Gelder für soziale Projekte,
Stadtteilarbeit, Frauenhäuser, Aussteigerprojekte usw.); überteuerte Mieten,
aberwitzige Immobilienpreise, prekäre Arbeitsverhältnisse, Drittmittelforschung;
überhaupt die Tatsache, dass gesellschaftswissenschaftliche Fächer (die
gesellschaftliche Entwicklungen begleiten, analysieren, Ideen in die Welt
setzen sollen) an den Universitäten finanziell
ins Abseits gedrängt werden; eine Steuer- und Wirtschaftspolitik mit inhärenter
Selbstentmachtung der Staaten (angefangen bei der konditionslosen Bankenrettung
und kulminierend in den berühmtberüchtigten Schiedsgerichten) ---
Es gibt viele Gründe, sich den Diskurs über Ökonomie
zurückzuholen. Über Ökonomie und Staat in einer globalisierten Welt, in der
Grenzen zwar für Menschen nach wie vor (und wieder vermehrt) gelten, jedoch
immer weniger für Güter. Was für Kontrollmechanismen muss es geben, kann es
geben, wie können wir egalitäre Gesellschaften schaffen, die nicht national definiert
und begrenzt sind? Welche Rolle spielen Zivilgesellschaft und Rechtsstaat? Viele viele Fragen. Und letzten Endes auch die, ob Demokratie mit dem real existierenden Kapitalismus überhaupt vereinbar ist. Ich zweifle mehr denn je daran ...
Mittwoch, 9. November 2016
Parteien des Gefühlten
... und nein, ich bin nicht geschockt. Ich war gechockt, als ich diese Massen einem Mann zujubeln sah, der gequirlte Scheiße spricht, heute das Gegenteil von dem erzählt, das er morgen als Wahrheit verkündet, ich war geschockt, weil sie umso lauter jubelten, je gemeiner, hasserfüllter, dümmer er sprach. Warum sollten Menschen, die so jubelt, den Bejubelten plötzlich nicht wählen? Auch beim Verhältnis Jubel zu Wahlverhalten hätte ein Blick in die (nie vergleichbare) Geschichte genügt. Der Fehler ist, immer noch an etwas zu glauben, das sich Fortschritt nennt. Zu glauben, dass das, was ich Fortschritt nenne, andere auch fortschrittlich finden. Das Wort an sich ist ja historisch äußerst zweifelhaft. Der Fehler ist, an die Vernunft zu glauben, daran, dass einleuchtend erscheinende Argumente irgendetwas oder irgendwen erreichen könnten. Es leuchtet hier und da eben ganz anders. Und vor allem geht es ums Gefühl. Alte weiße Männer fühlen sich unterdrückt. Weiße fühlen sich unterdrückt usw. usw. Und auch die AfD ist eine Partei des Gefühlten.
Wen ich gerne als Präsidenten hätte
Gestern (die US-Amerikaner*innen waren bereits auf dem Weg
zu den Urnen) war Daniel Cohn-Bendit bei France Culture eingeladen und sprach,
aus französischer Sicht, von drei politischen Katastrophen: Die erste habe
schon stattgefunden und sei der Brexit; die zweite wäre Donald Trump; die
dritte ein zweiter Wahlgang bei den französischen Präsidentschaftswahlen mit Sarkosy-Le
Pen. Er zeichnete ein (nun eingetretenes) Szenario, in dem Landesoberhäupter Trump,
Putin, Orban, Erdogan heißen; selbst wenn Le Pen in Frankreich nicht gewinne, meinte
Cohn-Bendit, sei das nicht gerade rosig. Und er hat nicht einmal Polen erwähnt.
Genau, dieses Szenario jetzt. Das ist, was mir am meisten
Angst macht. Als nächstes könnte Österreich dran sein (auch wenn die Befugnisse
des Präsidenten dort nicht mit denen eines us-amerikanischen oder französischen
vergleichbar sind), Deutschland hat vermutlich noch eine Legislaturperiode
länger vor sich, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis eine charismatische
Figur das (personelle) politische Vakuum ausnützt, das Merkel hinterlassen hat.
Das wird jemand von der AfD sein oder von einer Partei, die vielleicht noch
gegründet wird und ach so überraschend 30% gewinnt. Und was ist mit Schweden,
Finnland? Eine schwedische Dichterin erzählte mir, in dem Vorort von Stockholm,
in dem sie lebt, seien 30% der Klassenkamerad*innen ihrer Tochter
rechtsradikal. Die sind heute 17 und werden morgen wählen.
Wieso waren sich – erst Recht nach dem Brexit – eigentlich alle
so sicher, Trump werde nicht gewinnen? Weil das, was nicht passieren „darf“
nicht passieren wird? Ein Blick in die Geschichte würde genügen, um zu wissen, dass sehr
wohl „passieren“ kann (façon de dire; es fällt ja nichts vom Himmel), was
undenkbar ist.
Jetzt wird gleich Trump ans Mikro kommen. Ich schalte das Radio
aus. Das will ich mir nicht antun. Ich werde ihn noch oft genug hören müssen.
Ich wäre eh für Cohn-Bendit for president. Von irgendeinem
Land, wenigstens das.
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