Donnerstag, 12. November 2020

Neues Normal

Wenn es nicht mehr die Orte gibt, wo andere Lebensentwürfe, sagen wir ruhig: Utopien ausgesponnen werden – und wo anders als in der Kunst geschieht das, und um Tische herum, beim gemeinsamen Essen und Trinken – überlassen wir das Terrain endgültig denen, die die Welt mit Verschwörung erklären, die sich auf die Leerstelle der fehlenden Utopie gesetzt haben … Dann sind wir beim antipoetischen Ground Zero des Neoliberalismus angekommen: Alles muss nützlich sein.

Die abends leergefegte Stadt im Winter tut weniger weh als der leere Frühling. Weil aber das Leben tagsüber tut, als sei nichts gewesen und mein Tagsüberkörper sich bewegt und arbeitet wie immer, fühlt es sich an, als wäre der abendliche Teil meines Körpers, der auf Bühnen steht, und an Kneipentischen sitzt, abhandengekommen.

Ah, ich habe das Virus zwei Paragraphen lang nicht erwähnt. Natürlich weiß ich, dass wir uns in einer Pandemie befinden. Aber „the new normal“? Never.

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