Montag, 23. Dezember 2013

Im Land der Schnäppchenjäger (mein persönlicher Wunschzettel)



Vor ein paar Tagen war die Senkung der GEZ-Gebühr um 37 (oder so) Cent ein ausführliche Nachricht in der Tagesschau (oder so) wert. Ich zahle seit Anfang des Jahres 200 % mehr Gebühren und hatte noch nie einen Fernseher (tagesschauen tu ich manchmal bei meiner Freundin, die ihre Gebühren für den Fernseher immer regulär gezahlt hat, so wie ich meine für mein vielgenutztes Radio): 37 cent weniger sind in dieser Hinsicht der blanke Hohn. Wie wär es, statt die  Schnäppchenjägermentalität noch anzufeuern, mit dem zusätzlichen Geld wieder ein Programm zu machen, dass das Attribut „Qualität“ verdient?  In dem auch mal (Radio) eine Stunde gesprochen wird, ohne dass alle 10 Minuten die Lieblingslieder des Gesprächspartners abgespielt werden? Oder gar ein Thema über mehrere Tage fortgeführt und vertieft wird (alle reden doch von Nachhaltigkeit)? Ah, und schön wäre auch mehr als eine halbe Stunde pro Woche eklektische Literaturthemen auf Deutschlandradio Kultur. Ok, es gibt den Büchermarkt, der, wie der Name sagt, dem Verkauf dienen soll. Es gibt einmal die Woche die Lesezeit (noch eine halbe Stunde). Ja, ich bin ungerecht, die Hörspiele. Ich hätte aber gerne: Gespräche über Literatur, zeitgenössische Poesie, Theorie, Beiträge zur Philosophie (aber Philosophie hat man ja hierzulande nicht mal in der Schule). Ich kann in erster Linie fürs Radio sprechen, wie gesagt. Eigentlich zahle ich meine Beiträge für die Katz, denn ich höre fast nur noch France Culture. Das ist Radioqualität! Hier wird ganz offensichtlich nicht der Quote nachgerannt. Oder die Quote sieht anders aus. Zum Fernsehen fällt mir nur ein, dass ich neulich bei meiner Freundin Kulturzeit einschaltete. Ich war entsetzt: 80% der Beiträge hätte man sich sparen können, so belanglos oder oberflächlich behandelt waren sie, vorzugsweise mit suggestiver Hintergrundmusik garniert.
Habe ich als Minderheit mit Anspruch nicht auch das Recht, von den öffentlichen Medien bedient zu werden? Wer Seichtheit will, hat doch mehr als genug Auswahl! Außerdem glaube ich gar nicht, dass ich eine Minderheit bin. Ich bin fest davon überzeugt, dass die meisten Menschen Qualität erkennen und schätzen. Vielleicht nicht von selbst. Aber indem man in vorauseilendem Gehorsam den Einschaltquoten der privaten Sender hinterherhechelt und die Messlatte von vorneherein tief setzt, schraubt man die Qualitätsspirale herunter. Bloß niemanden überfordern. Immer schön sparen. War da nicht die Rede von Bildungsauftrag? Dazu fällt mir die Frau  ein, die, etwas über sechzig, in einem Hotel Barockmusik hörend Nachtschichten schob und erzählte, sie habe früher auch nur die Stücke gehört, die jeder hört, dann habe vor ein paar Jahren angefangen, abseits des allzu Bekannten zu recherchieren, sich einzuhören. „Und wenn man damit anfängt, verliert man die Angst, auf einmal traut man sich, einen Schritt weiter zu gehen und noch einen … und entdeckt, dass es möglich ist!“ Ja, lieber öffentlicher Rundfunk: es wäre möglich, wenn man nur wöllte ... Geld ist ja jetzt da.

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