Jetzt bestimmen also Bestsellerlisten schon die Form von Büchern. Das Dickicht der Welt ist unergründlich und meist nicht zu verstehen.
"Mystère et boule de gomme", würde man im Nachbarland sagen, wo die
-- genau -- französische Broschur Standard ist. Aber das deutsche, bürgerliche
Wohnzimmer hat es offenbar gern handfest und repräsentativ. Wie wär’s mit
einer weiteren Liste (kommt ja nicht mehr drauf an)? Welche Lobby war da am
Werk?
Dienstag, 20. März 2012
Freitag, 9. März 2012
En passant (das waren noch Zeiten)
"… und da hatten wir auch noch keinen Computer, erinnerst du dich?"
Montag, 20. Februar 2012
Ausgesprochen frühreif …
… muss der neue alte Präsidentschaftskandidat Joachim Gauck gewesen sein, schenkt man Philipp Rösler Glauben: „ … wenn Joachim Gauck dann berichtet, wie er 50 Jahre darauf warten musste, nicht nur fast 2 Jahre auf andere Sachen, sondern 50 Jahre auf die erste freie Wahl …“
Ich nehme an, Rösler meint März 1990, und Herr Gauck ist 1940 geboren, das bedeutet, ihn haben Milch und Spiele damals nicht interessiert, nein, auf die ersten freien Wahlen hat er gewartet, vom ersten Tag seines Lebens an, unglaublich! Nationalsozialismus, Besatzungszonen, DDR, alles eins, der Kleine wollte einfach nur: freie Wahlen! Was aber meint Rösler mit „andere Sachen“?
Ich nehme an, Rösler meint März 1990, und Herr Gauck ist 1940 geboren, das bedeutet, ihn haben Milch und Spiele damals nicht interessiert, nein, auf die ersten freien Wahlen hat er gewartet, vom ersten Tag seines Lebens an, unglaublich! Nationalsozialismus, Besatzungszonen, DDR, alles eins, der Kleine wollte einfach nur: freie Wahlen! Was aber meint Rösler mit „andere Sachen“?
Sonntag, 19. Februar 2012
Was will uns der Dichter damit sagen?
Warum gibt es in Stadtbezirksstatistiken eigentlich immer (ganz prominent und neben der Rubrik "Einwohner") die Rubrik "Ausländer" und "Ausländer in Prozent"? Mich interessiert viel mehr: Hundebesitzer, Halter von Vierradantrieben, Anteil an Radwegen ... Zähl ich als Ausländer oder als Einwohner? Und in welcher Straße liegt eigentlich "Prozent"?
Mittwoch, 15. Februar 2012
Un ami qui vous veut du bien
„In diesen entscheidenden Zeiten haben wir nicht den Luxus für diese Art von Protest“, sagt der griechische Ministerpräsident Lukas Papademos. Genau. Weil in einer marktkonformen Demokratie die Wirtschaft (wer war das noch mal?) besser weiß als der Staat (und reden wir lieber erst gar nicht vom Parlament), was gut für die Bürger ist.
Mittwoch, 1. Februar 2012
Eine Linie fürs Leben
Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich eines Tages facebook verteidigen würde. Nein, nicht verteidigen, aber mich nicht auf die Seite der Kritiker schlagen würde, sofern hier von Seite die Rede sein kann, Äpp wird das ja heute genannt, ein Äpp namens Timeline. Ich verstehe einfach nicht die Aufregung um diese so genannte Neuerung auf Facebook. Ein Angriff auf die Privatsphäre, heißt es, als ob irgendetwas an Facebook bisher privat gewesen sei, zumal, wenn man von den 570 Facebook-Freunden 25 persönlich kennt. Als ob irgendetwas im Netz privat sein könnte. Das ist wahrscheinlich das zugrunde liegende Missverständnis: Niemand stellt etwas ins Netz, damit es privat bleibt. Privat ist ein Notizbuch, ein Brief, vielleicht noch eine an eine bestimmte Person gerichtete Mail – jedes dieser Medien kann jedoch auch unfreiwillig öffentlich gemacht werden, insofern hat man sich schon immer überlegen müssen, was man aufschreibt und somit preisgibt, und was nicht. Es ist in meinen Augen (die vielleicht etwas altmodisch sind) ungeheuer peinlich, was Facebook-Nutzer manchmal ins Netz stellen (ich rede hier von erwachsenen Nutzern, bei Kindern und Jugendlichen ist das noch einmal eine andere Diskussion), und dies hier ist ein weiteres Missverständnis: Facebook ist kein Abend mit besten Freunden in der Kneipe, an dessen Folgemorgen man lieber nicht wissen will, was man zu fortgeschrittener Stunde über sich preisgegeben hat. Das Gute an der Kneipe ist, dass die anderen das auch nicht mehr so genau wissen; das zumindest Bedenkenswerte an Facebook oder jeder anderen Form der (mittels des Alphabets oder vergleichbarer Hilfsmittel festgehaltenen) Öffentlichkeit, ist, dass jeder es nachlesen kann – jetzt schon. Es wird um des Gelesenwerdens Willen bei Facebook so getan, als seien geschriebene Worte Mündlichkeit. Und was die Preisgabe von Informationen angeht: Jeder hat das Leben gelebt, das er vorgibt gelebt zu haben. Warum geben die meisten Facebooknutzer brav ihr Geburtsdatum, ihren Geburtsort, ihren Beruf an? Ein Reflex aus der analogen Welt? Eitelkeit? Mangel an Spieltrieb? Wenn Timeline am Ende Hyperrealität wäre (ist), was hätten Werbeplaner und wer auch immer sich dieser Funktion bedient dann noch davon? Warum erfindet der gläserne Mensch nicht seine eigene Transparenz? Und was heißt hier „zwingen“: Niemand wird gezwungen, facebook zu benutzen, niemand wird gezwungen, Informationen preiszugeben. Und wenn Timeline ohne bestimmte Basisinformationen nicht auszukommen meint, bleibt immer noch der Austritt (ist ein Facebook-Austritt möglich? Zumindest kann mein sein Konto unsichtbar machen und es nicht weiter benutzen). Wie wäre es mit einem massenhaften Austritt? Das wäre doch mal etwas: Facebook, berühmt dafür, nicht unbeteiligt am Ausbruch diverser Revolutionen gewesen zu sein, wird von seinen eigenen Nutzern in die Knie gezwungen.
Freitag, 27. Januar 2012
En passant (immer was anderes)
- Da wollt ich 'ne Flasche Cola ziehen und hab einen Euro in den Automaten dort auf dem Bahnsteig geworfen, und da kam keine Flasche raus.
- Nein, wirklich? Das ist ja schade drum.
- Ja, rausgeschmissenes Geld.
- Das ist nicht in Ordnung, solche Sachen müssen funktionieren.
- Bin ich also zum anderen Automaten, hab noch mal einen Euro reingeworfen, das hat funktioniert. Aber ein anderer wollte Kaffee ziehen, da ist der Becher nicht rausgekommen, der Kaffee ist einfach so durchgelaufen.
- Na, so was, immer was anderes ...
- Nein, wirklich? Das ist ja schade drum.
- Ja, rausgeschmissenes Geld.
- Das ist nicht in Ordnung, solche Sachen müssen funktionieren.
- Bin ich also zum anderen Automaten, hab noch mal einen Euro reingeworfen, das hat funktioniert. Aber ein anderer wollte Kaffee ziehen, da ist der Becher nicht rausgekommen, der Kaffee ist einfach so durchgelaufen.
- Na, so was, immer was anderes ...
Mittwoch, 18. Januar 2012
Die Grenze des Machbaren
"Wir gehen an die Grenze des Machbaren", sagt ein Taucher, der in der im Mittelmeer gekenterten Costa Concordia nach Überlebenden und Leichen sucht -- und die (vermutlich rhetorische) Frage drängt sich mir auf, ob man auch an die Grenze des Machbaren geht, um die Leichen gekenterter Flüchtlinge aus dem Mittelmeer zu bergen.
Dienstag, 17. Januar 2012
En passant (irgendein Schloss)
Die S-Bahn fährt in den Bahnhof Bellevue ein, der Bahnhof wird durch den Lautsprecher angesagt: Bellevue...
Sie: (schwärmerisch) Bellevue ... ist das nicht irgend so ein Schloss?
Er: Ein Hotel.
Sie: Ach so, na ja, damit hab ich's nicht so.
Sie: (schwärmerisch) Bellevue ... ist das nicht irgend so ein Schloss?
Er: Ein Hotel.
Sie: Ach so, na ja, damit hab ich's nicht so.
Donnerstag, 12. Januar 2012
SLUI
Im Heute-Journal sagte Marietta Slomka gestern abend: „Dabei ist Italien kein armes Land (…) Die privaten Vermögen übersteigen den Schuldenstand des Landes.“ Gibt es eigentlich eine Kennzahl, die private Vermögen und Schuldenstand eines Landes ins Verhältnis setzt? Die also ein Maßstab für schlecht verteilte Steuerlast und Klientelpolitik wäre? So etwas wie ein Steuerlastumverteilungsindex (SLUI)?
Dienstag, 10. Januar 2012
Wie gut, dass wir die DDR hatten …
… denn sie ist an allem Schuld: An den Nazis im Land, der Verrohung der Politiker und nun auch an der Krise in Griechenland: „Viele Wirtschaftsstrukturen stammen noch aus den 1950er Jahren. Die strikte Regulierung vieler Branchen, ihre Abschottung vom Wettbewerb, der staatliche Dirigismus – das alles erinnert an DDR-Verhältnisse“, so Gerd Höhler über Griechenland im Tagesspiegel vom 8.1.2012. Und warum nicht auch die DDR verantwortlich machen für die Republikaner in den USA, für Nordkorea, die Klimaerwärmung und für den Tsunami in Japan?
Sonntag, 8. Januar 2012
Habemus Habitat, habemus Habitus
Ich halte es wie unser noch amtierender Bundespräsident: Neues Jahr, neues Glück. Und ja, danke für die Nachfrage, es hat mich enorm belastet, dass mein altes Blog, nach mehrjähriger Pause wieder aktiviert, immer schlechter funktionierte. Nun ist es in sich zusammengebrochen, nicht mehr aufrufbar, ins digitale Nirwana entfleucht. Ich musste feststellen: Es gibt meinen alten Blogbetreiber gar nicht mehr. Wahrscheinlich schon mehrere Jahre nicht. Allein ich hatte es nicht bemerkt. Die Seite, von digitalen 1-0-Termiten längst ausgehöhlt, existierte nur noch als Oberfläche, die, nun da ich daran gerührt habe, sich in Staub aufgelöst hat (ich sage nicht: in 1-0-Partikel. Die Sprache bleibt sinnlich). Im Gegensatz zu unserem Präsidenten jedoch war es (relativ) einfach (ein Blogwechsel ähnelt im Aufwand einem Umzug), einen neuen Blog-Ort zu finden, Herr Wulff hingegen möchte unbedingt in Bellevue bleiben, was ich ja auch verstehen kann. Nicht verstehen kann ich den ganzen Aufwand mit dem Privatkredit fürs Einfamilienhäuschen, wenn er am Ende darin gar nicht mehr wohnen will. Da hätte er gleich ins Berliner Stadtschloss investieren und sich dort ein Eckchen reservieren sollen. Falls der Kaiser wieder kommt. Und er gefragt wird Am Habitus arbeitet der noch amtierende Bundespräsident schon.
Samstag, 7. Januar 2012
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