Donnerstag, 1. August 2013

Im Westen nichts Neues



In der Schlange in der Bar Jeder Vernunft, hinter mir, eine Frau: „Vorher haben wir in Hamburg gewohnt, aber ich habe auch schon in Frankfurt, München, Köln gewohnt, also alles in Deutschland außer Berlin.“
(2000)

In der S-Bahn zwei junge Frauen, Landeshauptstadtraten
(die eine offenbar aus Berlin, die andere zu Besuch):
- Was ist die Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern?
- Von Mecklenburg-Vorpommern? Da wohnt doch keiner. Da gibt’s doch nur Seen und Nazis.
- Und von Sachsen?
…
- Nee, echt jetzt, das weißt du nicht? Ist ’ne voll schöne Stadt.
- ’ne schöne Stadt? Gibt’s in Ostdeutschland schöne Städte?
(2013)

Montag, 29. Juli 2013

Digitale Gewohnheiten (2)



Auf dem Weg zum See höre ich, wie eine junge Frau (etwas über zwanzig) zu einem ebenso jungen Mann sagt: „Ach, ich muss dir noch diese abgefahrene Sage erzählen.“ Na, denke ich, in dem Alter liest man heutzutage Sagen, hätte ich nicht gedacht. Die Frau beginnt zu erzählen, in einer Detailverliebtheit, die mich irritiert, bei wem das Schwert an welcher Stelle des Körpers eindringt etc. etc. Bis ich begreife, dass sie keine gelesene Geschichte erzählt, sondern Bilder beschreibt, die sie gesehen hat, die vermeintliche Sage war ein Computerspiel oder Film … Später am See sagt eine andere, ebenso junge Frau, als sie einen Freund trifft: „Ich dachte, ich suche dich per Standort, aber nun hab ich dich ja so gefunden.“

Montag, 1. Juli 2013

Ach, echt?



Im Zug unterhalten sich ein Niederländer und eine Deutsche, beide um die 50. Sie kommen auf das deutsch-niederländische Verhältnis zu sprechen, und der Mann erklärt der Frau, warum seine Vorfahren die Deutschen gehasst hätten: „Sie haben alles plattgebombt.“
Die Frau: „Ach, echt?“ Und nach kurzem Überlegen: „Ja, ein Krieg ist immer ein Problem, das wissen wir alle.“

Montag, 17. Juni 2013

Modische Menschenrechte

Papst Franziskus hat das Parlament von Frankreich darauf hingewiesen, dass es beschlossene Gesetze -- die Gleichstellung aller Bürger in Sachen Eheschießung -- auch wieder „außer Kraft setzen“ könne. Er betonte, dass es "notwendig" sei, Gesetzestexten „eine Seele zu geben, die nicht nur die Moden und die Ideen des Augenblicks widerspiegelt“.  

Ich kann nicht anders, als daraus zu schließen: Für den Papst ist Demokratie eine Frage der Seele und die Gewährung von Bürgerrechten eine Frage der Mode.

Samstag, 15. Juni 2013

Hier spricht keiner von Plagiat



Die Rathausbrücke ist wieder offen, erstmals zu Fuß darüber, und ich frage mich, was die stilisierten Wachtürme sollen. 

Vor allem frage ich mich, wer auf die Idee kommen konnte, das Brückengeländer als in Metall gegossene Holzstammimitation zu gestalten. Holzimitat für Schlossimitat? 

An den Bauzaun der Schlossbaustelle hat jemand gesprüht: Kapitalismus ist gut für die Seele. Und ich bin mir nicht einmal sicher, ob das ironisch gemeint ist.

(In Istanbul ist Ausnahmezustand, weil tausende gegen ein restauratives Bauprojekt (und gegen so manches andere) demonstrieren. So manches andere ließe sich auch hier finden)

Aber es ist ja nichts so, dass es keinen Protest gegeben hätte oder gibt. Dies hier zum Beispiel. 
humboldt 21, Rückbau Berliner Schloss Humboldtforum.  Auch wenn ich, statt des Sprengens, für eine Ruine plädiere (das ergibt sich ganz von selbst), bereits vor Jahren plädiert habe: Und am Ende: eine Ruine.
Die Etappe mit dem Kaiser  (Berliner-Barock-21-Jh.) würde ich  allerdings gerne überspringen.


Mittwoch, 12. Juni 2013

Privatisierung des öffentlichen Raums (452) (die Vereinbarkeit von Kapitalismus und Demokratie ist nicht erwiesen (494))

In Griechenland werden öffentlich-rechtlicher Rundfunk und Fernsehen abgeschaltet (vorerst, angeblich).

Die Vereinbarkeit von Kapitalismus und Demokratie ist nicht erwiesen (493)

"Herr Draghi, Sie können doch gar nicht alles tun, um den Euro zu retten. Sie können nur tun, was Ihnen die deutsche Verfassung erlaubt. Und das würden die Märkte bestrafen."

Freitag, 7. Juni 2013

Privatisierung des öffentlichen Raums (451)

Die Berliner Wochenmärkte sollen laut heutiger Freitag-Ausgabe privatisiert werden. Es gäbe zu viele Vollzeitstellen für Marktregelung bei der Stadt. Das nennt man dann wohl Deregulierung.

Sonntag, 2. Juni 2013

Digitale Gewohnheiten (1)

Hörte heute nach langer Zeit mal wieder eine Kasette, wollte unterbrechen, um etwas im Keller zu holen und suchte verzweifelt nach dem Pausenknopf.

Freitag, 10. Mai 2013

Endgültiger Beweis



Hausach war der endgültige Beweis, dass das Wetter es auf mich persönlich abgesehen hat. Ein Blick auf die Fieberkurve der Temperaturen in Berlin und Hausach zeigt, dass es in Berlin schon seit einiger Zeit wärmer als in Hausach ist. Ab Sonntag, Tag, an dem ich nach Berlin zurückfahre, decken sich die Temperaturkurven, und drei Tage lang werde ich in mir Berlin einbilden können, in Hausach zu sein. Dann steigt die Hausacher Kurve, während die Berliner deutlich unter die Hausacher sinkt. Was soll ich da noch sagen? Leute, wenn ihr gutes Wetter wollt, bleibt mir fern und ladet mich auf keinen Fall ein, schon gar nicht als Stadtschreiberin, denn dann dauert das nämlich mit dem schlechten Wetter! Im Juni komme ich zum Leselenz wieder. Das sollten sich die Hausacher gut überlegen, ob sie mich wirklich hier haben wollen. Schon das Leselenz-Wetter im letzten Jahr war mehr als zweifelhaft für Juli. Vor zwei Jahren verbrachte ich im Juli zwei Wochen am Schluchsee. Bis zum Vorabend der Anreise hatte es da oben überdurchschnittliche 30 Grad. Die Grillfeuer zischten gewissermaßen noch, als mit Ankunft des ICEs aus Berlin in Freiburg Dauerregen einsetzte und die Temperatur auf unterdurchschnittliche, sagen wir 7 Grad in die Tiefe stürzte. Sollte das mit der Badischen Sonne, die einen verwöhnt, eine Legende sein? Der Badische Wein aus dem Elsass importiert werden? Nein, nein, ich gehöre nicht zu denen, die sich ständig über das schlechte Wetter beschweren. Wenn ich Leute bruddeln (Berlin: mosern) höre, der Sommer sei ja mal wieder so was von beschissen gewesen, dann berichtige ich sie mit recht genauen Datumsangaben. Ich erinnere mich vielleicht nicht Tag für Tag an das Wetter vor fünfzehn Jahren, aber doch an einzelne Daten vor zwanzig Jahren. Oder vor vier Jahren. Der Frühling kam in Berlin 2009 am 21.4., und zwar mit wunderbarer Wucht. In fünf Jahren werde ich sagen: In Hausach gab es im April 2013 insgesamt 8 Sonnentage. Ich verlange ja keinen Sommer statt eines Frühlings. Aber doch einen Frühling statt eines Winters. Statt eines Halbwinters, der in einen Halbfrühling, der in einen Halbsommer, der in einen Halbherbst übergeht. Ich will Jahreszeiten, will die Dinge tun, die man in der jeweiligen Jahreszeit tut. Aber was ich will, ist dem Wetter ja egal. Es hat es eben auf mich abgesehen. Was zu beweisen war. (Liebe Hausacher, ich hatte es aber trotzdem sehr schön bei euch. Ihr könnt ja auch nix fürs Wetter. Ich danke euch sehr für die wohlwollende, herzliche Aufnahme!)
(Erschienen im Offenburger Tagblatt am 10.5.2013)

Aber es hat sich doch etwas getan. 
Hier Hausach im Mai
 
Und hier Hausach im März