Freitag, 20. November 2015

Diese Riesenwerteworte

Das ungute Gefühl, das mich überkommt, wenn überall diese Riesenwerteworte, wie gerade häufig Demokratie und Freiheit wie Schilde vor sich gehalten werden: Klar, ich bin auch für Demokratie und Freiheit; aber es kommt der Eindruck auf, als stünden diese Begriffe ein für alle Mal fest, als dienten die Schilde als Schutz vor genauerem Nachdenken. Dabei bestehen solche Begriffe aus zig Partikeln, die ständig in Bewegung sind und von denen jedes einzelne immer wieder von nahem betrachtet und gegebenenfalls hinterfragt werden muss. Sie sind also nie fertig, die Diskussion kann nie abgeschlossen sein. Freiheit: Für wen? Wann? Unter welchen Umständen? Was betreffend? Keine Frage, ich will in der Kneipe sitzen können, ohne dabei ermordet zu werden. Trotzdem habe ich parallel dazu im Kopf, dass es schon in dieser Gesellschaft genügend Leute gibt, die sich Kneipe nicht leisten können. Geschweige denn in anderen Regionen der Welt. Für die also diese spezielle Freiheit zwar möglicherweise erstrebenswert, aber insofern weniger erhaltenswert ist, als dass sie sie gar nicht haben. Und wir westlichen Gesellschaften tun nicht immer besonders viel dafür, dass sich das ändert. Daher rührt, glaube ich, mein untuges Gefühl. Dass diese Riesenwerteworte, wenn sie erstarren, leicht selbst zur Ideologie werden.

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