Freitag, 24. Januar 2014

Stuttgarter Notizen V



Die Stuttgarter Nachrichten titeln heute mit: „Zahl der straffälligen Asylbewerber steigt deutlich“ – gratuliere! Sie haben die Bildzeitung von rechts überholt! Neulich ließ sich in eben dieser Zeitung der Leitkommentator über das Unwort des Jahres, „Sozialtourismus“, aus, man dürfe ja gar nichts mehr sagen, man müsse doch offen über Asylmissbrauch sprechen dürfen etc. Wie zu erwarten folgten noch nach Tagen freudige Leserbriefe im Stil von „endlich nimmt mal einer kein Blatt vor den Mund“, einfach widerwärtig. „Endlich einmal sagen, was keiner sich traut“ ist ein beliebtes Argument in diesem Land, das mir erstmals in meiner Schulzeit begegnete, als eine Klassenkameradin meinte, Franz-Joseph-Strauß wäre wenigstens so mutig, auszusprechen, was die meisten sich nicht trauen. Mutig sein, heißt also, rassistisch, antisemitisch, oder wie zurzeit unter dem Deckmantel der Sorge ums Sozialsystem, antiziganistisch zu sein. Die Publizistin Jutta Ditfurth weist in einem Interview darauf hin, dass große Teile der bürgerlichen Mittelschicht dabei seien, sozial zu verrohen und bezieht sich unter anderem auf eine Studie des Institut für interdisziplinäre Konflikt und Gewaltforschung. Die Stuttgarter Nachrichten liegen also voll im Trend! Sie gießen wissentlich Öl ins Feuer des aktuellen gesellschaftlichen Klimas: Na, das nenne ich verantwortungsvollen Journalismus!

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