Freitag, 10. Mai 2013

Endgültiger Beweis



Hausach war der endgültige Beweis, dass das Wetter es auf mich persönlich abgesehen hat. Ein Blick auf die Fieberkurve der Temperaturen in Berlin und Hausach zeigt, dass es in Berlin schon seit einiger Zeit wärmer als in Hausach ist. Ab Sonntag, Tag, an dem ich nach Berlin zurückfahre, decken sich die Temperaturkurven, und drei Tage lang werde ich in mir Berlin einbilden können, in Hausach zu sein. Dann steigt die Hausacher Kurve, während die Berliner deutlich unter die Hausacher sinkt. Was soll ich da noch sagen? Leute, wenn ihr gutes Wetter wollt, bleibt mir fern und ladet mich auf keinen Fall ein, schon gar nicht als Stadtschreiberin, denn dann dauert das nämlich mit dem schlechten Wetter! Im Juni komme ich zum Leselenz wieder. Das sollten sich die Hausacher gut überlegen, ob sie mich wirklich hier haben wollen. Schon das Leselenz-Wetter im letzten Jahr war mehr als zweifelhaft für Juli. Vor zwei Jahren verbrachte ich im Juli zwei Wochen am Schluchsee. Bis zum Vorabend der Anreise hatte es da oben überdurchschnittliche 30 Grad. Die Grillfeuer zischten gewissermaßen noch, als mit Ankunft des ICEs aus Berlin in Freiburg Dauerregen einsetzte und die Temperatur auf unterdurchschnittliche, sagen wir 7 Grad in die Tiefe stürzte. Sollte das mit der Badischen Sonne, die einen verwöhnt, eine Legende sein? Der Badische Wein aus dem Elsass importiert werden? Nein, nein, ich gehöre nicht zu denen, die sich ständig über das schlechte Wetter beschweren. Wenn ich Leute bruddeln (Berlin: mosern) höre, der Sommer sei ja mal wieder so was von beschissen gewesen, dann berichtige ich sie mit recht genauen Datumsangaben. Ich erinnere mich vielleicht nicht Tag für Tag an das Wetter vor fünfzehn Jahren, aber doch an einzelne Daten vor zwanzig Jahren. Oder vor vier Jahren. Der Frühling kam in Berlin 2009 am 21.4., und zwar mit wunderbarer Wucht. In fünf Jahren werde ich sagen: In Hausach gab es im April 2013 insgesamt 8 Sonnentage. Ich verlange ja keinen Sommer statt eines Frühlings. Aber doch einen Frühling statt eines Winters. Statt eines Halbwinters, der in einen Halbfrühling, der in einen Halbsommer, der in einen Halbherbst übergeht. Ich will Jahreszeiten, will die Dinge tun, die man in der jeweiligen Jahreszeit tut. Aber was ich will, ist dem Wetter ja egal. Es hat es eben auf mich abgesehen. Was zu beweisen war. (Liebe Hausacher, ich hatte es aber trotzdem sehr schön bei euch. Ihr könnt ja auch nix fürs Wetter. Ich danke euch sehr für die wohlwollende, herzliche Aufnahme!)
(Erschienen im Offenburger Tagblatt am 10.5.2013)

Aber es hat sich doch etwas getan. 
Hier Hausach im Mai
 
Und hier Hausach im März
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen